Was passiert in einer Traumatherapie

In einer Traumatherapie erfolgen zu Beginn eine Stabilisierungsphase und ein Wiedererlangen von Selbstkontrolle. In der Phase der Traumaintegration werden verschiedene Methoden eingesetzt, um die belastende Situation geordnet zu verarbeiten und dadurch die Symptome zu kontrollieren, zu begrenzen und/ oder aufzulösen. Wichtig ist, dass sich der Betroffene in der therapeutischen Situation sicher und gut gehalten fühlt. Nur dann kann eine Traumatherapie erfolgreich durchgeführt werden.

Viele Kinder verarbeiten traumatische Erfahrungen im Verlauf weniger Monate ohne bleibende Schäden für ihre Entwicklung. Andere bewältigen ihre psychische Traumatisierung, indem sie sie verdrängen oder aktiv alles meiden, was sie daran erinnern könnte. Diese Bewältigungsstrategie kann lange funktional sein. Therapie benötigen nach einer traumatischen Erfahrung diejenigen Kinder, denen die Bewältigung und Verarbeitung nicht gelingt. Die Therapie traumatisierter Kinder erfordert folgende Rahmenbedingungen:

1. Wirksame Psychotherapie erfordert für Kinder zuallererst, vor erneuten Traumatisierungen geschützt zu sein. Ist ein Kind akut gefährdet, so verstärkt mangelnde Reaktionsbereitschaft von Eltern, Familie, Schule, Jugendamt, Polizei oder Gerichten nicht nur die Angst des Kindes, sondern fördert auch primitive Formen der Angstbewältigung. Über die objektive Sicherheit hinaus benötigt ein traumatisiertes Kind einen auch subjektive Sicherheit vermittelnden therapeutischen Rahmen, der dem Kind im Gegensatz zur traumatisierenden Situation die Möglichkeit bietet, sich gegen das Vorgehen zu wehren, Verbündete mitzubringen, sich Hilfe zu holen und - je nach Alter - jederzeit in Betreuung den Therapieraum zu verlassen.

2. Die Geschwindigkeit des Kindes bei der Auseinandersetzung mit traumatischen Inhalten soll immer respektiert werden, denn Kinder haben eine schwächere psychische Abwehr und weniger Bewältigungsmöglichkeiten als Erwachsene. Der Therapeut hat in der Therapie die Aufgabe, das Kind sehr genau zu beobachten, um die Konfrontation des Kindes mit seinen traumatischen Erinnerungen richtig zu dosieren.

3. Um eine traumatische Erfahrung in der Therapie zu verarbeiten, benötigt ein Kind mindestens einen Menschen, zu dem es eine stabile und von Vertrauen getragene Beziehung hat. Denn Kinder verarbeiten ihre traumatische Erfahrung am besten im Kontakt und im Dialog. Dafür sind die meisten Eltern ideale Partner, sofern sie ihr Kind nicht selbst traumatisiert oder dies wissentlich zugelassen haben.
(nach Oliver Schubbe: EMDR in der Therapie psychisch traumatisierter Kinder (1997))